Supermarkt aus Holz und mit Dachfarm in Berlin

Kreislauffähiges Bauen, urbane Landwirtschaft und digitale Planung verbinden sich zu einem neuen Typus von Lebensmittelmarkt


Quelle: Christoph Große
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Mit dem neuen REWE Green Farming Markt in Berlin zieht Landwirtschaft mitten in die Stadt ein. Auf einer Verkaufsfläche von rund 2.150 Quadratmetern wird eingekauft, während wenige Meter darüber auf einer 2.760 Quadratmeter großen Dachfarm Salat wächst. Der Markt markiert den Start einer neuen Supermarktgeneration, die auf Holzbau, Kreislauffähigkeit und urbane Nahrungsmittelproduktion setzt.

Kern des Konzepts ist die Nutzung von Holz als nachwachsender Baustoff. Die Konstruktion speichert Kohlenstoff und ist modular aufgebaut, sodass sich die Bauteile am Ende ihrer Nutzung demontieren und wiederverwenden lassen. Auch im Betrieb folgt der Markt einem Kreislaufprinzip: Abwärme aus dem Supermarkt, eine Wärmepumpe sowie gesammeltes Regenwasser schaffen ideale Bedingungen für den Anbau auf dem Dach.


Quelle: Christoph Große
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Die Kombination aus Handel und Produktion wurde systematisch weiterentwickelt. Bereits seit 2009 setzt das Unternehmen auf sogenannte Green Buildings. Daraus entstand zunächst ein Pilotprojekt in Wiesbaden, das als Grundlage für den nun in Serie gehenden Dachfarm-Markt diente. Die neue Generation zeichnet sich durch eine vollständig in Holz ausgeführte Tragstruktur sowie eine flexibel nutzbare Dachfläche aus.

Parallel dazu wurde die Planung digitalisiert. Erstmals kam durchgehend Building Information Modeling zum Einsatz. Das Gebäude wurde vor Baubeginn als digitaler Zwilling entwickelt, wodurch Planungsprozesse kollaborativer wurden und potenzielle Probleme frühzeitig erkannt werden konnten.

Die Dachfarm selbst arbeitet mit hydroponischen Verfahren. Der Salat wächst nahezu ohne Erde in automatisierten Systemen und benötigt nur etwa 23 Tage vom Anbau bis zum Verkauf. Pro Jahr können bis zu 900.000 Salatmischungen produziert werden, die überwiegend direkt in der Region vertrieben werden. Dadurch lassen sich Transportwege erheblich reduzieren.

Im Innenraum prägt die sichtbare Holzkonstruktion die Architektur. Insgesamt 72 Holzstützen formen die Markthalle und machen das Tragwerk bewusst erlebbar. Verzichtet wird dabei weitgehend auf dauerhafte Verbindungen, sodass die Konstruktion rückbaubar bleibt. Die eingesetzte Holzmenge bindet rund 930 Tonnen Kohlenstoff.


Quelle: Christoph Große
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Auch energetisch setzt der Markt neue Maßstäbe. LED-Beleuchtung, verglaste Kühlmöbel und intelligente Steuerungssysteme senken den Energieverbrauch deutlich. Ein Teil des Strombedarfs wird durch Photovoltaikmodule auf dem Dach gedeckt. Ergänzt wird das Konzept durch versickerungsfähige Außenflächen, Ladeinfrastruktur für Elektromobilität und Fahrradstellplätze.

Mit dem Projekt zeigt sich, wie sich Holzbau, Kreislaufwirtschaft und urbane Landwirtschaft zu einem integrierten Gebäudetyp verbinden lassen. Der Dachfarm-Markt in Berlin dient dabei als Prototyp für weitere Standorte und verdeutlicht das Potenzial neuer Nutzungskombinationen im städtischen Raum.

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