Aktualisierte DGNB-Zertifizierung Nachhaltige Baustellen

Erfahrungen aus über 250 Projekten und neues Weiterbildungsangebot


Neben den in jedem Baustellenprojekt zu erfüllenden Mindestanforderungen werden die variablen Maßnahmen projektindividuell definiert. Quelle: DGNB
Neben den in jedem Baustellenprojekt zu erfüllenden Mindestanforderungen werden die variablen Maßnahmen projektindividuell definiert. Quelle: DGNB

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat die neue Version ihres Zertifizierungssystems für nachhaltige Baustellen vorgestellt. Grundlage der Überarbeitung waren Praxiserfahrungen aus mehr als 250 Projekten sowie zahlreiche Rückmeldungen aus einer dreimonatigen Kommentierungsphase. Die Zertifizierung soll Nachhaltigkeitspotenziale auf Baustellen heben und eine durchgängige Qualitätssicherung im Hoch- und Tiefbau unterstützen. Ergänzend dazu führt die DGNB ein neues Schulungsformat ein, mit dem sich Fachleute zum DGNB Koordinator Baustelle qualifizieren können.

Bereits 2021 hatte die DGNB die erste Version des Systems vorgestellt. Die nun veröffentlichte Version bestätigt laut Johannes Kreißig, dass sich ein systematischer Ansatz für nachhaltige Baustellenprozesse erfolgreich in der Praxis umsetzen lässt. Die Überarbeitung berücksichtigt zudem regulatorische Entwicklungen wie die EU-Taxonomie, die nun umfassend in den Kriterienkatalog integriert ist.

Das Zertifizierungssystem bleibt in seiner Grundstruktur unverändert und bewertet Baustellen anhand von fünf Kriterien: Baustellenorganisation, Ressourcenschutz, Gesundheit und Soziales, Kommunikation sowie die Qualität der Bauausführung. Für den Spezialtiefbau entfällt das Kriterium Kommunikation. Anders als bei anderen DGNB-Zertifizierungen gibt es keine Abstufungen wie Platin, Gold oder Silber. Ein Zertifikat wird vergeben, wenn mindestens 65 Prozent der Anforderungen erfüllt sind. Rund die Hälfte davon sind verpflichtende Mindestanforderungen, vor allem im Bereich Baustellenorganisation.

Die Anwendung des Systems eignet sich sowohl für einzelne Projekte als auch für unternehmensweite Prozesse in Bauunternehmen. Für letztere kann ein Basiszertifikat mit Pflichtenheft erstellt werden, das die Zertifizierung einzelner Baustellen erleichtert. Auch Bauherren profitieren von einem klaren Leitfaden zur Umsetzung nachhaltiger Baustellenabläufe und zur Qualitätssicherung. Öffentliche Auftraggeber können die Kriterien zudem zur Formulierung präziser Ausschreibungstexte nutzen.

Mit der Einführung der neuen Version wird für jede Baustellenzertifizierung künftig ein geschulter DGNB-Koordinator Baustelle benötigt. Die neue, modular aufgebaute Fortbildung umfasst ein zweitägiges digitales Expertenwissen sowie ein ergänzendes On-Demand-Zertifizierungsmodul der DGNB Akademie. Nach Abschluss besteht die Möglichkeit, einen Lizenzvertrag zu unterzeichnen, der zum Führen des Titels berechtigt. Eine jährliche Weiterbildungspflicht ist vorgesehen. Das Angebot richtet sich unter anderem an Bauleitende, Sicherheits- und Gesundheitskoordinator*innen, Ingenieure im Hoch- und Tiefbau und Umweltingenieurwesen sowie an Architekturschaffende und Nachhaltigkeitsmanager.

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