DGNB startet Zertifizierungssystem für Bestandsquartiere

Kompakter Kriterienkatalog unterstützt Transformation von Quartieren


DGNB System für Bestandsquartiere, Quelle: DGNB
DGNB System für Bestandsquartiere, Quelle: DGNB

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat ein neues Zertifizierungssystem für Bestandsquartiere vorgestellt. Mit einem schlanken Kriterienkatalog ergänzt es das DGNB System für Quartiere, das auf Neubauentwicklungen ausgerichtet ist. Ziel der neuen Systemvariante ist es, Eigentümer, Kommunen, Sanierungsträger und weitere Akteure dabei zu unterstützen, bestehende Quartiere systematisch zu analysieren und zukunftsfähig weiterzuentwickeln.

Im Mittelpunkt steht zunächst die fundierte Bewertung des Ist-Zustands eines Quartiers. Darauf aufbauend wird eine individuelle Maßnahmenstrategie entwickelt, die sowohl ökologische als auch soziale und ökonomische Aspekte berücksichtigt. Der ganzheitliche Nachhaltigkeitsansatz der DGNB bleibt dabei zentral: Neben Klima- und Umweltschutz stehen auch Themen wie sozialer Zusammenhalt, wirtschaftliche Tragfähigkeit und langfristige Nutzbarkeit im Fokus.

Im Unterschied zur Neubauzertifizierung, die stärker auf Effizienz ausgerichtet ist, legt das neue System für Bestandsquartiere den Schwerpunkt auf den Erhalt von Bausubstanz, die Weiternutzung vorhandener Ressourcen sowie die Bindung grauer Energie. Maßnahmen werden gezielt danach bewertet, welchen Beitrag sie zur Transformation leisten. Dabei verfolgt die DGNB das Ziel, schrittweise Verbesserungen zu fördern. Auch Teilerfolge werden honoriert, um die Umsetzung breit in die Praxis zu bringen.

Der Kriterienkatalog umfasst 15 Kriterien und ist damit deutlich kompakter als das bestehende System für neu entwickelte Quartiere. Einen besonderen Stellenwert nimmt das Kriterium Klima und Energie ein. Hier geht es unter anderem um die Entwicklung eines quartiersbezogenen Energiekonzepts mit klaren CO2-Reduktionspfaden. Maßnahmen mit besonders geringem CO2-Ausstoß werden gezielt gefördert.

Neben dem Klimaschutz spielt auch die Anpassungsfähigkeit an die Folgen des Klimawandels eine wichtige Rolle. Bewertet werden Aspekte wie Wasserhaushalt, Biodiversität oder der Umgang mit Fläche und Boden. Ergänzt wird dies durch ökonomische Kriterien wie die Minimierung von Umweltrisiken und die langfristige Flexibilität der Quartiersentwicklung.

Soziale Faktoren sind ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil der Bewertung. Hierzu zählen unter anderem die Vielfalt und Nutzbarkeit von Freiräumen, nachhaltige Mobilitätsangebote sowie die Einbindung des Quartiers in sein Umfeld. Auch Beteiligungsprozesse und ein strukturiertes Quartiersmanagement werden positiv berücksichtigt, da sie entscheidend für eine langfristig erfolgreiche Entwicklung sind.

Das Zertifizierungssystem wurde in einem rund zweijährigen Prozess gemeinsam mit verschiedenen Akteuren entwickelt und bereits an sieben Pilotprojekten getestet. Dabei zeigte sich, dass insbesondere heterogene Eigentümerstrukturen, unvollständige Datengrundlagen und unterschiedliche bauliche Zustände besondere Herausforderungen darstellen. Gleichzeitig wurde großer Wert darauf gelegt, den Kriterienkatalog praxisnah und wirtschaftlich umsetzbar zu gestalten.

Für die Umsetzung nachhaltiger Maßnahmen können bestehende Förderprogramme genutzt werden. Dazu zählen beispielsweise das KfW-Programm Energetische Stadtsanierung sowie verschiedene Instrumente der Städtebauförderung. Darüber hinaus ergeben sich Synergien, wenn einzelne Gebäude innerhalb eines Quartiers zusätzlich eine DGNB Zertifizierung anstreben, etwa in Form vereinfachter Nachweisführungen.

System Quartiere, Bestand und Sanierung

DGNB Kriterienkatalog, Version 2026
www.dgnb.de/bestandsquartiere

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