Transformationsbarometer zeigt Fortschritte, Defizite und zentrale Hebel für nachhaltiges Bauen

Mit dem Transformationsbarometer Bauwirtschaft legt die Bundesstiftung Bauakademie erstmals eine umfassende Standortbestimmung zur nachhaltigen Transformation des Planens und Bauens in Deutschland vor. Die Auswertung basiert auf einer bundesweiten Befragung von über 4.500 Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette und macht deutlich, dass der Wandel hin zu ressourcenschonendem, emissionsarmem Bauen zwar begonnen hat, aber noch nicht in der Breite verankert ist.
Ein zentrales Ergebnis betrifft die Rolle des Bestands. Bereits heute entfällt ein großer Teil der Bauaktivitäten auf Umbau, Sanierung und Instandhaltung bestehender Gebäude. In vielen Fällen wird bewusst gegen Abriss und für den Erhalt entschieden, insbesondere aus wirtschaftlichen, regulatorischen und zunehmend auch aus Ressourcengründen. Gleichzeitig zeigt sich, dass Kostenrisiken, technische Anforderungen und bestehende Normen weiterhin häufig dazu führen, dass Neubauten als einfacher oder wirtschaftlicher gelten.
Auch bei der Reduktion von CO₂-Emissionen sind Fortschritte erkennbar. Viele Unternehmen setzen im eigenen Betrieb auf Effizienzmaßnahmen, erneuerbare Energien und optimierte Logistik. In Bauprojekten gehören energetische Optimierungen von Gebäuden inzwischen zum Standard. Ansätze wie der Einsatz emissionsarmer Baustoffe, Lebenszyklusanalysen oder die Wiederverwendung von Bauteilen werden zwar zunehmend berücksichtigt, bleiben aber bislang häufig Einzelfälle und sind noch nicht flächendeckend etabliert.
Ein weiteres zentrales Handlungsfeld ist der Ressourcenschutz. Nachwachsende Materialien und Recyclingbaustoffe sind in der Praxis bereits angekommen, während die systematische Wiederverwendung von Bauteilen noch deutlich hinterherhinkt. Als größte Hindernisse gelten fehlende Verfügbarkeit, zusätzliche Kosten, rechtliche Unsicherheiten sowie mangelnde Standards. Besonders deutlich wird, dass nachhaltigere Lösungen oft an der fehlenden Zahlungsbereitschaft auf Auftraggeberseite scheitern.
![Welche der folgenden Maßnahmen zur Reduktion von CO₂-Emissionen setzt Ihr Unternehmen selbst um? [%]](https://www.nbau.org/wp-content/uploads/tmps8i8yd7x.jpg)
Die Digitalisierung wird grundsätzlich als wichtiger Treiber für die Transformation gesehen, etwa durch Simulationen, datenbasierte Planung oder Monitoring-Tools. Gleichzeitig ist ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Hohe Investitionskosten, fehlende Standards und eine geringe Nachfrage bremsen die weitere Verbreitung. Künstliche Intelligenz wird zwar bereits genutzt, vor allem für Recherche und Kommunikation, spielt jedoch in den zentralen Planungs- und Bauprozessen bislang nur eine untergeordnete Rolle.
Neben technischen und strukturellen Fragen rückt zunehmend der Faktor Mensch in den Fokus. Die Branche verzeichnet einen hohen Bedarf an neuen Kompetenzen, insbesondere in den Bereichen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Zugleich stellt der Fachkräftemangel eine der größten Herausforderungen dar und erschwert die Umsetzung vieler Transformationsansätze.
Insgesamt zeigt das Transformationsbarometer ein differenziertes Bild: Die notwendigen Lösungsansätze sind in vielen Bereichen vorhanden und werden punktuell bereits umgesetzt. Gleichzeitig wirken wirtschaftliche Zwänge, regulatorische Rahmenbedingungen und fehlende Nachfrage als zentrale Bremsfaktoren. Entscheidend für den weiteren Fortschritt wird sein, nachhaltiges Bauen nicht nur technisch weiterzuentwickeln, sondern auch wirtschaftlich attraktiver und systematisch umsetzbar zu machen.
Transformationsbarometer Bauwirtschaft 2025/26
Bundesstiftung Bauakademie
https://bundesstiftung-bauakademie.de/fileadmin/samples/Arbeitsformate/Transformationsbarometer/PDF-Dokument/260611_Bundesstiftung_Bauakademie_Transformationsbarometer_8_FINAL_RGB-2_Einzel.pdf






